Kulturmanager, Literat & Satiriker


23. September 2026

Helvetia Beata

Gibt es ein Land in Europa, in der Welt, welches, nach menschlichen Maßstäben optimal regiert wird? In welchem das Volk in Volksabstimmungen mitentscheidet und das laut Verfassung viermal jährlich, und die Termine der Volksabstimmungen bis 2035 festgelegt sind? Ein Land, welches nie von Königen, Bischöfen, Despoten aller Art regiert wurde und im Ranking seit Jahren und Jahrzehnten auf Platz Eins liegt? Ein Land, welches seit seiner Gründung zum Bundestaat nie einen Krieg führte, während die Kaiserreiche von Deutschland, Frankreich, Österreich und Russland untergingen, wie der Kirchenstaat der Päpste, der von 756, der Schenkung von Sutri, durch den König der Franken, Pippin, den Vater Karls des Großen gegründet, bis 1870 bestand, in dem die Päpste Herren über Leben und Tod über Rom und ihren Staat bis an die Grenzen der Republik Venedig, und des Königreiches Neapel waren? Ja: Helvetia Beata, la Suisse heureuse, la Svizzera felice - die glückliche Schweiz.

Das Deutsche Kaiserreich ging 1918 unter, und mit ihm die Königreiche von Bayern, Preußen, Hannover, Sachsen und Württemberg, das Großherzogtum von Sachsen-Weimar-Eisenach, in welchem der Dichter Johann Wolfgang von Goethe, von 1775 bis 1832 als Finanzminister, Minister für Straßenbau und Bergbau amtierte, und auch noch als Intendant das Hoftheater leitete, in welchem er seine und die Werke seines Freundes, Friedrich von Schiller, aufführte – die Wallenstein-Trilogie, Maria Stuart, die Braut von Messina und Wilhelm Tell. Und von ihm, Goethe, Egmont und Faust, der Tragödie 1. Teil.

Auf den Untergang des Kaiserreiches Deutschland mit seinen Königreichen, den sechs Großherzog – fünf Herzogtümer, den sieben Fürstentümer, dem Reichsland Elsaß-Lothringen und den Freien und Hansestädten Hamburg, Bremen und Lübcek, folgten die Weimarer Republik, der NS-Staat Adolf Hitlers, die BRD und DDR, die auch unterging und sich mit der BRD vereinte. Überall nur Chaos in alle Himmelrichtungen, und mittendrin eine Oasis Pacis et prosperitatis, eine Oase des Friedens und des Wohlstandes, ein Märchenland – Helvetia Beata, die Schweiz.

Nie bestimmte ein Despot in der Schweiz die Richtlinien der Politik, wie in Deutschland Kaiser, Könige, Herzöge und Fürsten, Reichs – und Bundeskanzler, Generalsekretäre, und Fürsterzbischöfe, sondern immer sieben Persönlichkeiten, Bundesräte, seit 1984 auch Bundesrätinnen, wie in den Kantonen, Städten und Gemeinden., wo es auch fünf sein dürfen, wie in 12 Kantonen der Schweiz, in Appenzell-Ausserrhoden, Appenzell-Innerrhoden, Basel-Landschaft, Basel-Stadt bis Thurgau und Zug.

Seit 1848, als der Bundesstaat Schweiz aus 26 Kantonen gebildet wurde, sind Volksabstimmungen in der Verfassung verankert, wie in den Kantonen und Gemeinden der Schweiz seit dem August des Jahres 1291, als der Bundesbrief der Talgemeinschaften Uri, Schwyz und Nidwalden verfasst wurde. Der Bundesbrief von 1291 gilt als ältestes Verfassungsdokument der Schweiz.

Wäre die Frankfurter Nationalversammlung von 1848 in der Paulskirche dem Beispiel der Schweiz gefolgt, und hätte anstelle eines Kaisers – Kaiser Wilhelm I., der König von Preußen, lehnte seine Wahl zum Staatsoberhaupt ab, er lebte in dem Wahn, dass er seine Macht von Gott erhalten, und niemand seine Regierungskunst in Frage stellen dürfe – sieben Bundesräte zum Regierungsprinzip eines demokratischen Rechtsstaates in ihre Verfassung geschrieben, wäre den Deutschen Volksstämmen nicht nur Kaiser Wilhelm II., nein, auch Adolf Hitler erspart geblieben, und ein Konrad Adenauer hätte in einem Deutschen Bundesrat vermutlich das Department Äußere Angelegenheiten, Kurt Schumacher das Department Arbeit und Soziales, und Carlo Schmid das Department Justiz geleitet, und das auf vier oder fünf Jahre – Wiederwahl möglich.

Derzeit bilden sieben Persönlichkeiten, drei Frauen und vier Männer den Bundesrat der Schweiz, denn die Sieben ist eine Septem numerus sacer est. Es gibt die sieben Tage der Woche, die sieben Farben des Regenbogens, die sieben steht für die Göttliche Dreifaltigkeit, plus die vier Himmelsrichtungen oder die vier Elemente,Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die sieben Sakramente der Katholischen und Orthodoxen Kirche sind das sichtbare Zeichen für die immerwährende Liebe und Nähe Gottes zu den Menschen, Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, es gibt die sieben Pilgerkirchen Roms, siebenmal muss ein gläubiger Moslem die Kaaba in Mekka umkreisen, doch es gibt nur ein Land auf der Welt, dass von sieben, Frauen und Männern regiert wird – Helvetia Beata, die Schweizerische Eidgenossenschaft, la Confédération Suisse, la Confederazione Svizzera, Confederaziun Svizra, Confoederatio Helvetica, CH.

Die glückliche Schweiz hat 10 Parteien, und die stärksten Parteien stellen die Bundesräte. Es sind aktuell die SVP, die Schweizerische Volkspartei, sie ist rechtskonservativ wie die AfD, und ihr Grundsatzprogramme ist weitgehend identisch mit der AfD. Die SP, die Sozialdemokratische Partei, ist Mitte-links, die FDP der Schweiz ist seit 1848 ist, im Gegensatz zur FDP Deutschlans, eine starke Partei, und die Partei Mitte, enstand aus der CVP, der Christlichdemokratischen Volkspartei und der Bürgerlich-Demokratische-Partei, BDP.

Die Schweiz hat auch einen Bundeskanzler, der im Rat der Sieben eine Beraterfunktion ausübt, auch hat er das Recht Anträge zu stellen, aber kein Stimmrecht. Der Bundeskanzler ist Stabschef des Bundesrates, der von der vereinigten Bundesversammlung, bestehend aus National – und Ständerat für die Dauer von vier Jahren gewählt wird, unterstützt durch zwei Vizekanzler, derzeit sind es Rachel Salzmann und Nicola Lamon. Bundeskanzler ist Viktor Rossi.

Doch auch zwei Bundskanzlerinnen hatte die Schweiz, Corinna Casanova von 2008 bis 2015, und Annameie Huber-Hotz von 2000 bis 2007. Und wer war der erste Bundeskanzler der Schweiz, amtierend von 1848 bis 1881? Johann Ulrich Schiess, der von dem badischen Revolutionär Friedrich Hecker, der in die USA emigrierte, als Prototyp eines würdigen, tätigen, redlichen und geistvollen Beamten gelobt wurde – ein lebendiger, kleiner, etwas beleibter Mann mit freundlichen, geistreichen Äuglein, Biederkeit in jedem seiner Züge ausstrahlend, der in Basel, Jena, Berlin und Göttingen Jura studierte und promovierte, Sohn eines Pfarrers aus dem Kanton Appenzell-Außerrhoden.

Doch welche Politiker hätten und haben den Mut, Deutschland noch dem Modell der Schweiz neu zu gestalten, mit sieben Bundesräten, vier Frauen und drei Männern, zwei von der Union, zwei der AfD, zwei der SPD und einem der Grünen, legte man das Wahlergebnis der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 zugrunde.

Die Redeschlachten, Beleidigungen und Unterstellungen unter der Kuppel des Reichstages würden aufhören, man würde sich nicht mehr gegenseitiges Versagen vorwerfen und das Volk würde viermal im Jahr über alle relevanten Fragen im Deutschen Bund, den Kantonen, Städten und Gemeinden Deutschlands über solche Themen abstimmen wie Atomkraft – Ja oder Nein? – Gehört der Islam zu Deutschland, Ja oder Nein? – Kirchensteuer – Ja oder Nein? – Wie hoch sollen die Steuern sein – 10 oder 15 Prozent als Höchststeuersatz? – Soll die Lebensarbeitszeit auf 70 Jahre begrenzt oder unbegrenzt sein, wie in den USA? - Wehrpflicht – Ja oder Nein?

Das Prinzip der Schweiz, seit 1848 praktiziert, auf die USA, China, Russland, die Länder der EU, wie auf alle Länder, auch auf den Status ecclesiasticus, den Staat der Päpste, übertragen, würde die Zeit des ewigen Friedens, aetatem pacis aeternae afferet, bringen. Dem Prinzip der Schweiz folgen, heißt der rationis, der Vernunft, folgen.

Es gibt die Septem Peccata Capitala, die Sieben Todsünden der Ecclesia Romana, der Kirche von Rom, doch warum nicht Septem Papae, sieben Päpste, quattuor mulieres, vier Frauen, et tres viri und drei Männer?

Es waren nicht die Apostel, die unter dem Kreuze Jesu standen, es waren seine Frauen, die seinen Tod beweinten, mortem eius lugere. Es waren seine Frau, die seine Auferstehung, resurrectio eius, der Welt verkündeten. Und was wären vermutlich die ersten Entscheidungen der Papae feminae et viri? Die Ordination der Frauen, und das Ende des Caelibatus obligatorius, um der Kirche einen ver novum, einen neuen Frühling, una nuova primavera, zu bescheren.

Friedrich Merz könnte als großer Kanzler in die Geschichte Deutschlands eingehen, wenn er den Mut hätte, die Brandmauer einzureißen, mit der AfD kooperierte, und AfD und Union die Verfassung der Schweiz in Deutschland einführen würde, denn wer das Grundsatzprogramm der AfD liest, erkennt unschwer, dass AfD und Union mehr Gemeinsamkeiten haben als man glaubt, und auch vier Volksabstimmungen pro Jahr würden Deutschland vermutlich mehr nutzen als schaden. Die Schweiz macht es seit 1848 vor. Die Schweiz hatte nie einen Kaiser, König, Führer und Kanzler, der die Richtung bestimmte, auch die Römischen Päpste konnten sich in die Politik der Schweiz nie einmischen, sie ließen sich jedoch von Schweizer Helden, ihrer Schweizer Garde von 1506 bis heute beschützen – Helvetia Beata.



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